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Howden legt EU-Analyse zu Klimarisiken in der Landwirtschaft vor - bis 2050 drohen jährliche Verluste von über 40 Milliarden Euro

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Extreme Wetterereignisse verursachen der Landwirtschaft in der EU derzeit jährlich durchschnittlich 28 Milliarden Euro Verlust.

Bis 2050 steigen diese Verluste voraussichtlich jährlich auf bis zu 40 Milliarden Euro – größtenteils unversichert.

  • Die möglichen finanziellen Verluste allein durch Dürre werden EU-weit auf bis zu 60 Milliarden Euro geschätzt. Dieser Risikowert wird bis 2050 auf 90 Milliarden Euro ansteigen und gefährdet dadurch die europäische Landwirtschaft, unsere Ernährungssicherheit sowie künftige Verbraucherpreise.   
  • Howden sieht hier auf Basis der ausgewerteten Daten eine deutliche Versicherungslücke, die vor allem Landwirte betrifft: Sie haben 70-80% aller wetterbedingten Schäden selbst zu tragen, was in Folge Regierungen zur Auszahlung ungeplanter Katastrophenhilfen zwingt.
  • Die Empfehlungen des Berichts umfassen finanzielle Schutzmaßnahmen wie z.B. Katastrophenanleihen, Rückversicherungen und gegenseitige Risikopools sowie Anpassungsmaßnahmen auf allen Ebenen, um die Ernährungssicherheit Europas auch künftig zu gewährleisten.

London, 20. Mai 2025: Howden, die Gruppe internationaler (Rück-)Versicherungsmakler, veröffentlicht die Ergebnisse und Empfehlungen aus dem Bericht  "Versicherungs- und Risikomanagement-Instrumente für die Landwirtschaft in der EU". Der Bericht wurde von der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben.

Aus diesem geht hervor, dass der europäische Agrarsektor durch Unwetter jährlich Verluste in Höhe von durchschnittlich 28 Milliarden Euro erleidet. Bei gleichbleibenden Emissions-Werten werden diese Verluste bis zum Jahr 2050 voraussichtlich auf über 40 Milliarden Euro pro Jahr steigen.

Auf Grundlage der detaillierten Risikobewertungen und deren zu erwartenden finanziellen Auswirkungen schlägt der Bericht dringend einige Empfehlungen vor. Er stellt die erste EU-weite finanzielle Bewertung der Auswirkungen von Klimarisiken auf Ernteerträge dar.
 

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

  • Die derzeitigen Durchschnittsverluste durch Klimarisiken in der EU – Dürre, Niederschlag, Hagel und Frost – entsprechen 6,4% der jährlichen Ernteerträge und steigen in schlechten Jahren auf über 10%.
  • Über 50% der gesamten landwirtschaftlichen Verluste sind auf Dürre als Ursache zurückzuführen, welche die größte Bedrohung in allen EU-Regionen darstellt.
  • Außerdem ist mit einer Zunahme von Frostschäden durch die fortschreitende Klimaerwärmung zu rechnen: Das frühere Knospen und Blühen von Reben und Obstbäumen führt während des Frühjahrsfrost zu verheerenderen Verlusten bei hochwertigen Trauben und Obstkulturen. Gleichzeitig werden häufigere und intensivere Stürme zu Verlusten durch Hagel und Überschwemmungen führen.
  • Hinzu kommt eine höhere Frequenz kleinerer Witterungs-Ereignisse, die den Aufbau von Reserven für weniger gute Jahre erschwert und sich zusätzlich in einer negativen Weise auf Erträge und Gewinne der Landwirte auswirkt.
  • Hinter den Daten auf EU-Ebene verbergen sich insgesamt erhebliche länderspezifische Unterschiede: In den kommenden Jahrzehnten könnten die Verluste allein in Spanien und Italien 20 Milliarden Euro erreichen. Kleineren europäischen Volkswirtschaften drohen sogar Einbußen von mehr als 3% ihrer BIPs.
     

Die Absicherungslücke:

Nur 20-30% der klimabedingten Verluste in Europa sind versichert – sei es über öffentliche, private oder gegenseitige Schutz-Systeme (einschließlich der Vorkehrungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) Europas). Hinter diesen Durchschnittswerten verbergen sich deutliche Unterschiede im Versicherungs-Schutz von Anbau und Viehzucht – und zahlreiche Fälle, bei denen keinerlei Versicherungs-Schutz besteht.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass vorab vereinbarter Schutz, z.T. gefördert durch öffentliche Subventionen, für Landwirte und Kreditgeber weitaus effektiver ist als unzuverlässige und unvorhersehbare staatlich finanzierte Rettungsaktionen.


Empfehlungen:

Um systemische Risiken zu reduzieren und wirtschaftliche Verluste für die Agrarindustrie und öffentliche Finanzen zu begrenzen, empfiehlt der Bericht ein datenbasiertes Risikomanagement sowie  
fortschrittlichere Risikotransfer-Mechanismen (einschließlich Katastrophenanleihen und öffentlich-private Rückversicherungsvereinbarungen).

Der Bericht empfiehlt zudem, dass die EU dem Beispiel anderer Regierungen folgt und den Einsatz von Rückversicherungen und Katastrophenanleihen verstärkt. Dies ermöglicht, EU-Budgets besser zu schützen und im Katastrophenfall schneller notwendige Finanzmittel bereitzustellen.

Darüber hinaus ist eine grundsätzliche Anpassung des gesamten Systems notwendig, um vor allem den unterversicherten Gebieten einen subventionierten Versicherungsschutz zu ermöglichen. Deckungskonzepte sollten die Klima-Resilienz sowohl auf Betriebs- als auch auf regionaler Ebene stärken, um die Versicherbarkeit aufrechtzuerhalten.
 

Deutschland ist besonders von klimabedingten Risiken in der Landwirtschaft betroffen

Für Deutschland zeigt sich ein deutlich steigendes Risiko durch Extremwetter wie Dürre und Frost:

  • Die jährlichen Durchschnittsschäden in der deutschen Landwirtschaft betragen derzeit rund 1,9 Mrd. EUR und könnten bis 2050 auf bis zu 2,9 Mrd. EUR steigen, bedingt vor allem durch zunehmende Dürre-Ereignisse.
  • Bei extremen Wetterereignissen belaufen sich bereits heute die möglichen Verluste auf bis zu 9,8 Mrd. EUR, mit einer möglichen Erhöhung auf 13,7 Mrd. EUR.
  • Dürre ist das größte Risiko: Bereits heute entstehen in häufigen Dürrejahren Schäden von 1,3 Mrd. EUR – und ein Anstieg um bis zu 62 % wird bis 2050 erwartet.
  • Frostschäden nehmen trotz Klimawandel deutlich zu – vor allem bei empfindlichen Kulturen wie Obst und Wein. Der durchschnittliche Frostschaden könnte sich bis 2050 um 58 % erhöhen, die Extremverluste sogar um 76 %.
  • Historische Katastrophenjahre wie 2003 und 2018 zeigen: Die Absicherungslücke ist enorm – bei der Dürre 2018 betrug sie rund 5,2 Mrd. EUR, da weniger als 0,1 % der betroffenen Flächen gegen Dürre versichert waren.

Das derzeitige landwirtschaftliche Versicherungssystem in Deutschland konzentriert sich auf etablierte Risiken wie Hagel, während systemische Risiken wie Dürre kaum abgedeckt sind. Staatliche Hilfen erfolgen meist ad hoc und reichen oft nicht aus, um Schäden zu kompensieren.

Luigi Sturani, CEO, Howden Europe sagt: "Die Klimavolatilität setzt Landwirte und letztendlich Verbraucher unter zunehmenden Druck. Dieser Bericht bietet einen klaren Handlungsaufruf für die EU-Landwirtschaft und Regierungen der Länder. Robustere Formen der Risikofinanzierung und eine konsistente Risikoquantifizierung sind wesentlich, um die zukünftige Versicherbarkeit dieses essenziellen Sektors zu gewährleisten."

Massimo Reina, CEO Howden Re International fügt hinzu: "Wir beobachten ein wachsendes Interesse globaler Rückversicherer und Kapitalmärkte, die Widerstandsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft zu unterstützen. Innovative Finanzmechanismen (wie z.B. Katastrophenanleihen und Risikopooling) bieten dem gesamten System die notwendigen Lösungen, um die Risiken aufzuteilen und dadurch die Ernährungssicherheit Europas zu gewährleisten."

Karl-Heinz Holz, CEO Howden Deutschland, ergänzt: "Diese Studie zeigt erneut, dass eine datenbasierte Risikoanalyse entscheidend für die Entwicklung einer verlässliche Risikodeckung ist – gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels im Bereich der europäischen Landwirtschaft. Bei Howden verbinden wir wissenschaftlich fundierte Modellierung mit marktnahen Lösungen, um neue Standards im Risikomanagement zu setzen. Das macht uns zu einem der führenden Versicherungsmakler in Europa."

EIB-Vizepräsidentin Gelsomina Vigliotti sagte: "Klimabedingte Risiken sorgen zunehmend für Unsicherheit in der Lebensmittelproduktion. Die Minderung dieser Risiken durch eine passende Risikodeckung und notwendigen Initiativen, um den Gefahren des Klimawandels entgegenzuwirken, ist entscheidend, um die Investitionen in die europäische Landwirtschaft zu unterstützen. Die Ergebnisse dieses Berichtes werden unser zukünftiges Handeln leiten und wir werden so die Widerstandsfähigkeit des Agrarsystems der EU stärken."

Der Bericht wurde von der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben und von der EIB-Beratung im Rahmen der fi-compass Plattform mit Modellierung, Interpretation und Empfehlungen von Howden und RiskLayer GMBH am Karlsruher Institut für Technologie durchgeführt. Zu den Hauptautoren gehören Dr. Ana Gonzalez Pelaez (Howden), Professor James Daniell (Risklayer) und Rowan Douglas (Howden).